Keine Muttergefühle: Was du jetzt tun kannst

Genau wie die Liebe zu einem anderen Menschen, muss sich auch die Liebe zum eigenen Kind erst entwickeln. Obwohl du dein in deinem Bauch trägst oder getragen hast, muss das Band zwischen Mutter und Kind erst zusammenwachsen. Meistens reicht dazu die Schwangerschaft oder die Zeit im Wochenbett, um sich kennen- und vor allem lieben zu lernen. 

In manchen Fällen aber eben auch nicht. Da ist es sogar normal, keine Muttergefühle zu spüren oder jedenfalls nicht solche, wie du sie dir vorstellst. Mehr dazu findest Du in meinem Blog Keine Muttergefühle: Ist das normal?

Bleibt die Frage offen: Was kannst du tun, damit sich die Muttergefühle entwickeln?

1. In der Schwangerschaft

  • Familien-Ritual: Schon im Mutterleib kann ein Baby seine Welt mit allen Sinnen wahrnehmen. Vielleicht gelingt es euch, ein Familien-Ritual einzuführen. Wenn es schon ein Geschwisterchen gibt, darf es natürlich mitspielen.

Wer kennt ein Schlaflied, das er gerne singen möchte? Oder welches Lied singt ihr gerne gemeinsam? Vielleicht kaufst du auch eine Spieluhr, die du jeden Abend auf den immer runder werdenden Bauch legst. So lernt das Baby schon die Melodie kennen, die ihm auch später signalisiert, dass nun Schlafen angesagt ist.

Auch aus diesen Dingen könnt ihr ein Ritual machen:

  • Vorlesen, Musikhören: Babys lieben es, Kindergeschichten oder Reime vorgelesen zu bekommen, vor allem vom Papa. Genauso hören Babys gerne Musik. Sie bevorzugen dabei, was Mama und Papa gefällt. Spielt ihm also die Musik vor, die ihr selbst gerne hört. Lasst es hören, wie sich die Welt draußen anhört. Wie reagiert es auf den Staubsauger, Klatschen oder Quetschkasten?
  • Lichtspiele: Auch auf Licht reagieren Ungeborene. Wenn euer Baby wach ist, halte mal eine Taschenlampe an den Bauch. Bewegt es sich zur Lichtquelle oder strampelt?
  • Geschichten erzählen: Was Babys ganz besonders genießen: Papa oder ein Geschwisterchen legt den Kopf auf Mamas Bauch und spricht mit dem Baby. Erzähl ihm etwas aus deinem Leben oder wie sehr du dich auf es freust. Kannst du seine Bewegungen spüren oder hören?
  • Babybauch-Massage: Den Bauch der Mama mit ein bisschen Pflegeöl sanft einreiben – das gefällt Mama und Baby.

Achte darauf, dein Kind nicht zu überfordern. Sorge für eine möglichst stressfreie Schwangerschaft, ausreichend Ruhe und Entspannung. Fühle und horche in dich hinein, dann entsteht der Kontakt zueinander fast von ganz allein.

2. Nach der Geburt

  • Känguruhen

Ein neugeborgenes Kind braucht Hautkontakt und Nähe, um sich körperlich, geistig und emotional gesund zu entwickeln. Das vermittelt ihm Geborgenheit und Vertrauen.

Der Hautkontakt sollte möglichst direkt nach der Geburt erfolgen und mindestens 60 Minuten oder solange dauern, bis das Neugeborene das erste Mal an der Brust seiner Mutter saugt. Die positiven Effekte sind umso ausgeprägter, je schneller dieser Kontakt stattfindet und je länger er anhält.

Babys, die nach der Geburt aus welchen Gründen auch immer von ihrer Mutter getrennt werden, fehlt diese Geborgenheit. Es ist wichtig, soviel Körperkontakt mit möglich nachzuholen.

Das sogenannte Känguruhen ist die ideale Möglichkeit, Nähe und Bindung aufzubauen. Es stellt auch aus medizinischer Sicht eine ganz entscheidende Unterstützung dar. Dabei wird das Kind für mehrere Stunden nur mit einer Windel bekleidet auf die nackte Brust von Mutter oder Vater gelegt, wo es die Körperwärme genießen und den ihm aus dem Mutterleib vertrauten Herzschlag hören kann.

  • Stillen

Das Stillen ist einer der besten Wege eine feste emotionale Bindung zu deinem Baby aufzubauen. Denn durch das Stillen fühlt sich das Neugeborene geborgen und natürlich auch mit Nährstoffen versorgt. Der Hautkontakt wirkt tröstend und beruhigend. Der Gesichtsausdruck, mit dem du dein Kind anschaust, vermittelt ihm, dass du es liebst. Du wirst bald feststellen, dass dein Baby versucht, deinen Ausdruck nachzumachen.

Beim Stillen wird das Glückshormon Oxytocin freigesetzt. Es stärkt die emotionale Bindung zwischen Mutter und Baby. Alleine der Geruch von Muttermilch und die Nähe zur Mutter sorgen dafür, dass dein Baby sich entspannt. Stillen stärkt außerdem das Immunsystem und fördert die kindliche Intelligenz.

Auch die Mutter profitiert vom Stillen: Das Risiko für Wochenbettdepression und Brustkrebs wird beispielsweise reduziert.

  • Babymassage

Sorge dafür, dass deine Hänge angenehm warm sind. Dazu kann ein Handbad mit warmem Wasser dienen oder du reibst deine Hände – gerne mit ein paar Tropfen Massageöl – aneinander war.

Als Leitsatz für eine Babymassage gilt: Sie sollte immer mit dem Kind, und nicht an dem Kind durchgeführt werden. Weitere Tipps sind für deine Babymassage sind:   

  • Mach alle Bewegungen von oben nach unten, also vom Kopf in Richtung Füße
    • und von der Mitte des Körpers nach außen
    • Wiederhole jede Bewegung drei bis fünf Mal
  • Was Du sonst noch tun kannst

  • Pflege intensiven Augenkontakt mit deinem Baby
  • Sprich und sing im vor
  • Schlafe im selben Raum wie dein Baby
  • Reagier auf Weinen/Schreien deines Babys
  • Kuschele ganz viel mit deinem Baby

  • Wenn nichts geholfen hat: Hol dir Unterstützung

Es gibt viele Gründe, die den Start ins Familienleben erschweren. Manche Ängste – etwa, ob man eine gute Mutter sein kann – waren vielleicht schon vor der Geburt präsent. Manchmal gilt es die belastenden Erfahrungen der Schwangerschaft oder der Geburt zu verarbeiten.

Wichtig ist es, die Gefühle nicht in sich hineinzufressen, sondern offen darüber zu sprechen.

Mit dem Partner, der besten Freundin, der Hebamme, der Frauenärztin oder auch dem Traumatherapeuten. 

Wichtig ist zu wissen, dass keine Mutter mit diesem Gefühl alleine ist.

Liebe muss und darf wachsen. Am Ende wird jede Mama diese unvergleichliche Liebe zu ihrem Baby spüren, von der jede Mutter mit einem Leuchten in den Augen schwärmt.

  • Trauma-Psychotherapie

Wenn du spürst, dass irgendetwas mit dir nicht stimmt, die Muttergefühle sich auch nach einigen Tagen oder gar Wochen einfach nicht einstellen wollen, hol dir Hilfe bei deinem Hausarzt, deinem Gynäkologen oder einem Psychiater. Ein Trauma-Psychotherapeut verarbeitet mit dir deine eigenen traumatischen Erlebnisse aus der Kindheit oder bei der Geburt.

Möglicherweise merkst du aber auch, dass mit deinem Kind etwas nicht stimmt. Vielleicht schreit es panisch, lässt sich nicht beruhigen. Oder es wirkt apathisch und ist extrem schreckhaft. Dann kann deinem Kind geholfen werden, seine traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.

Du möchtest gerne wissen, wie eine Traumatherapie bei einem so kleinen Menschen abläuft? Das habe ich in diesem Blog beschrieben: Traumatherapie bei Babys

Ist mein Baby traumatisiert? Wie du es herausfindest – und was du jetzt tun kannst

4. Hilfreiche Adressen

Hebammen

Frühe Hilfen

Verwaiste Eltern

Traumatherapeuten für Säuglinge

Nachbarschaftshilfe

Recht und Finanzen

Wochenbett­depression-Hotline in Frankfurt/Main, Tel.: 015 77/47 42 654

Wochenbettdepression: www.schatten-und-licht.de